Sonntag, 14. Januar 2018

Bananen bei ÖKO-TEST – Duo Fair und Bio gewinnt



Konventionelle Bananen enthalten jede Menge Pestizide. Darauf macht das ÖKO-TEST-Magazin in der aktuellen Januar-Ausgabe aufmerksam. Das ist vor allem für die Menschen in den Anbauländern ein  Problem.  Denn  das  Versprühen  der  Pestizide  geht  nicht  spurlos  an  der  Gesundheit  der Menschen  im  Bananenanbau  vorbei.  Dazu  kommen  noch  schlechte  Arbeitsbedingungen.  Das Verbrauchermagazin empfiehlt, Bio-Bananen mit dem Fairtrade-Siegel zu kaufen. ÖKO-TEST hat Bananen von 22 Anbietern auf ein breites Spektrum an Pestiziden untersuchen lassen. Bei  den  konventionellen  Produkten  wurde  das  Labor  durchweg  fündig.  Fast  alle  enthalten  die besonders  bedenklichen  Pestizide  Imazalil  und/oder  Bifenthrin.  Laut  dem  europäischen Gefahrenstoffrecht  gelten  beide  Substanzen  als  möglicherweise  krebserzeugend.  Da  die  Bananen ungeschält untersucht wurden, befindet sich vermutlich ein erheblicher Teil der Pestizide in und auf der  Schale,  also  nicht  im  essbaren  Anteil.  Die  Bio-Produkte  sind  dagegen  fast  immer  frei  von Rückständen; nur bei dem Bio-Produkt eines Discounters stellte das Labor zwei Pestizide in Gehalten über dem Bio-Orientierungswert fest.

Faire Biobananen sind erste Wahl

Die  Pestizide  werden  im  konventionellen  Bananenanbau  oft  mithilfe  von  Flugzeugen  versprüht. Aufgrund  von  Verwehungen  kann  es  vorkommen,  dass  die  Spritzmittel  auch  in  angrenzenden Wohngebieten  landen  oder  sich  in  der  Umwelt  anreichern.  Schutzausrüstungen  wie  Masken  und Anzüge sind nur für die Arbeiter vorgeschrieben, die Pestizide ausbringen. Andere Mitarbeiter sind oft weniger  gut  geschützt  und  kommen  mit  den  Pestiziden  in  Kontakt.  Das  wirkt  sich  auf  deren Gesundheit  aus,  wie  die  Studie  einer  österreichischen  Ärzteorganisation  zu  Bananenplantagen  in Ecuador  nahelegt.  Die  Beschäftigten  im  Bananenanbau  leiden  zudem  unter  schlechten Arbeitsbedingungen und Löhnen, die manchmal noch nicht einmal existenzsichernd sind. ÖKO-TEST rät  Verbrauchern  daher,  Bio-Bananen  mit  dem  Fairtrade-Siegel  zu  kaufen.  Dieses  Label  garantiert, dass die Produzenten angemessene Preise erhalten und unter fairen Bedingungen arbeiten. Das Siegel der  Rainforest  Alliance,  mit  dem  viele  konventionelle  Bananen  ausgezeichnet  sind,  ist  weniger umfassend. Es steht für die Einhaltung grundlegender Arbeitsrechte und erlaubt immer noch zu viele hochgiftige Pestizide.
Quelle: PM/Ökotest, Bild: Frank Herrmann 

PS: Auch BanaFair-Bananen waren frei von Pestizidrückständen und sind in Bezug auf Produktionsbedingungen und Transparenz mit der Note sehr gut bewertet worden.

Sonntag, 7. Januar 2018

Globale Textilindustrie: um den Lohn betrogen



Nicht gezahlte Löhne sind ein anhaltendes Problem in der globalen Textil- und Bekleidungsindustrie

Immer wieder muss die Kampagne für Saubere Kleidung gemeinsam mit der europäischen und weltweiten tätigen Clean Clothes Campaign Petitionen und Eilaktionen zu ausstehenden Lohnzahlungen starten. Hier einige Beispiele:




-    140 ArbeiterInnen der türkischen Bravo Tekstil, die u.a. für Zara, Next und Mango produzierte, erhielten weder ihre letzten drei Monatslöhne, bevor die Fabrik im Jahr 2016 geschlossen wurde, noch die ihnen zustehenden Abfindungen. Die ausstehende Summe, die die ArbeiterInnen einfordern, beträgt rund 650.000 Euro.

-     Am 1. Juli 2016 standen die 208 ArbeiterInnen der kambodschanischen Firma ChungFai Knitwear FTY vor verschlossenen Türen. Die Firma produzierte u.a. für die britischen Handelsunternehmen Marks and Spencer und Bonmarché (Sweater und Socken). Ohne vorherige Ankündigung und ohne Angabe von Gründen wurde die Fabrik geschlossen. Die ArbeiterInnen erhielten weder ihren Lohn für den letzten Arbeitsmonat noch die ihnen gesetzlich zustehenden Abfindungen. Die ausstehende Summe beträgt rund 550.000 US-Dollar.

-    Im April 2015 schloss die indonesische Firma Jaba Garmindo, deren wichtigster Kunde die japanische Firma UNIQLO war, nachdem UNIQLO Jaba Garmindo aus seiner Zulieferliste gestrichen hatte. Die Firma Jaba Garmindo, die auch die deutschen Bekleidungsunternehmen Gerry Weber und s.Oliver belieferte, ging insolvent, rund 4.000 Beschäftigte wurden arbeitslos, erhielten ihre letzten vier Monatslöhne nicht und auch keine Abfindungen. Die Forderungen der ArbeiterInnen belaufen sich auf rund 11. Mio. US-Dollar.

Muster 1: Fabrikschließungen

Produktionsbetriebe gehen im harten Wettbewerb unter oder werden verlagert. Die Auftraggeber, die von günstigen Produktionspreisen profitiert haben, fühlen sich – außer verbaler Verweise auf ihre Verhaltenskodizes – nicht verantwortlich für entlassene ArbeiterInnen ihrer Zulieferer. Sie zahlen in seltenen Fällen (allerdings nicht in den hier geschilderten) freiwillig geringe Entschädigungen, fühlen sich aber nicht rechtlich dazu verpflichtet. Das muss sich ändern. Wer seine Betriebskosten senkt, indem er Arbeitgeberverantwortlichkeit soweit wie möglich auslagert, muss im Rahmen unternehmerischer Sorgfaltspflichten entsprechend seines Anteils an der jeweiligen Produktion in den betroffenen Betrieben für Lohndiebstahl haftbar gemacht werden können!

Muster 2: Behinderung gewerkschaftlicher Aktivitäten

Ohne Gewerkschaften haben Beschäftigte keine Chance auf bessere Arbeitsbedingungen und bessere Löhne. Fabrikschließungen bzw. –verlagerungen und Entlassungen sind nicht nur durch den Verdrängungswettbewerb zu erklären, sondern auch Reaktionen auf den Kampf von Gewerkschaften für bessere Arbeitsbedingungen. Wenn Auftraggeber wie Adidas, Gerry Weber und s.Oliver in ihrer Lieferkette Geschäftspartner akzeptieren, die eindeutig gegen die Grundrechte auf Vereinigungsfreiheit und Kollektivverhandlungen verstoßen, dann steht nicht nur ihre individuelle soziale Reputation auf dem Spiel, sondern auch die Glaubwürdigkeit des Textilbündnisses, dessen Mitglied die drei Unternehmen sind. Im Interesse dieser Glaubwürdigkeit müssen die AkteurInnen im Textilbündnis daran arbeiten, Vereinigungsfreiheit und Kollektivverhandlungen in den Zulieferern aller beschaffenden Bündnismitglieder durchzusetzen, um Fälle von Lohndiebstahl in Zukunft zu verhindern.
Quelle: Südwind Blog / Sabine Ferenschild

Mittwoch, 27. Dezember 2017

Oxfam-Liste: Menschenrechts­verletzungen deutscher Konzerne



Deutsche Konzerne machen ihre dicken Gewinne oft auf Kosten der Beschäftigten in ihren Zulieferbetrieben. Oxfam hat eine Liste von Menschenrechtsverstößen erstellt, die von Oxfam und anderen Organisationen aufgedeckt wurden:



 

Montag, 4. Dezember 2017

Weihnachten ohne Kinderarbeit



Ob Baum, Schoko-Nikolaus, Smartphone oder Schmuck – viele Weihnachtsgeschenke stammen aus Kinderarbeit oder wurden unter schlimmen Bedingungen von Arbeitern hergestellt und geerntet. Konsumenten haben jedoch faire Alternativen. 

Weihnachtsstern
Rund 40 Millionen Christsterne werden bundesweit verkauft, viele davon zu einem Dumpingpreis im Super- und Baumarkt. Geerntet werden die Setzlinge für den Export überwiegend in Guatemala, El Salvador, Uganda oder Äthiopien. Die Arbeiter dort bekommen nur Saisonverträge, sie müssen häufig Chemikalien ohne Schutzkleidung versprühen und dürfen keine Gewerkschaften bilden, kritisiert die Christliche Initiative Romero e.V. „Die niedrigen Löhne sind ein großes Problem“, sagt Mike Pflaum, Mitarbeiter der Menschenrechtsorganisation. „Wenn man genau hinschaut, kann man den Schmerz der Jungen und Mädchen sehen, die auf den Fincas arbeiten“, mahnt auch Carlos Maroquín, Priester in San Miguel Dueñas, einem Dorf in Guatemala.
Faire Alternativen: Weihnachtssterne mit dem Fairtrade-Siegel u.a. bei Kaufland, Rewe, Penny, Edeka, Toom, Knauber sowie Bio-Weihnachtsterne aus Deutschland bei Dehner.

Weihnachtsbaum
Jedes Jahr werden im Advent bundesweit 45 Millionen Tannenbäume verkauft. Über 90 Prozent der Tannensamen für die westeuropäische Weihnachtsbaumproduktion stammen aus Georgien. Doch die Pflücker der Samen - allesamt Saisonarbeiter, darunter viele Minderjährige, die zur Erntezeit im Herbst keine Schule besuchen – bekommen umgerechnet 15 bis 60 Cent pro Kilo geerntete Zapfen. Dabei ist der Job sehr gefährlich: Die Zapfenpflücker müssen bis zu 60 Meter hohe Bäume erklimmen – mangels Geld oftmals ohne Gurte, gute Seile oder Helme. Es kommt immer wieder  zu tödlichen Unfällen. 
Faire Alternative: Nordmanntannen der dänischen Baumschule Bols Forstplanteskole gibt es bei verschiedenen Anbietern (Händlerliste unter www.fairtrees.de). Fair Trees ist Mitglied der World Fair Trade Organization, autorisiert auch von Fairtrade Danmark. Die Pflücker erhalten 1,60 Euro pro Kilo Zapfen, Sicherheitskurse und Equipment sowie eine Arbeits- und Gesundheitsversicherung für die Familie.

Kaffee
Kaffee und Kaffeemaschinen landen oft auf dem Gabentisch. Die Branche verpackt das Lifestyle-Getränk gerne in Geschichten von glücklichen Pflückern, handwerklicher Röstung und fachsimpelnden Baristas. Die Realität: Aufgrund von Rohstoffspekulation und gnadenlosem Preiskrieg der Supermärkte geht es für viele Kaffeebauern ums Überleben. Die Wertschöpfung findet in Europa statt. Prekär ist auch die Lage der Wanderarbeiter, die etwa in Guatemala den Kaffee auf den großen Kaffee-Fincas ernten: Sie leben und arbeiten mit ihren Familien für mehrere Monate auf dem Gelände der Plantage. Dass die Kinder bei der Ernte helfen, ist eher Regel denn Ausnahme. Bereits Zwölfjährige schleppen für einen Hungerlohn zentnerschwere Lasten.
Faire Alternativen: Fair gehandelter Kaffee mit dem Fairtrade-Siegel, von Gepa (www.gepa.de), dwp (https://shop.dwpeg.de), Ethiquable (www.ethiquable.de) oder el Puente (www.el-puente.de) gibt es u.a. im Supermarkt (auch Discounter), Bioladen, Weltladen. Die Menge fair gehandelten Kaffees hat sich zwar in den zurückliegenden fünf Jahren verdoppelt, doch der Marktanteil liegt unter fünf Prozent.

Schmuck und Kunsthandwerk
Unter welchen Bedingungen der Rohstoff für die Goldkette oder den Silberreif beschafft oder verarbeitet wurde, ist für viele Schenkende kein Thema. Doch für Edelmetalle werden Menschen ausgebeutet, in Kriege verwickelt, und ihre Natur zerstört. In Peru hat die Goldwäsche zahlreiche Flüsse mit Quecksilber und Zyanid verseucht, und laut Human Rights Watch schuften mehr als 20.000 Kinder in Kleinminen in Mali, dem drittgrößten afrikanischen Goldproduzenten. Weiterverarbeitet  wird  das  Gold  überwiegend in China und Indien – unter teils katastrophalen Bedingungen, ähnlich denen der Textilbranche. Und im bolivianischen Potosí wühlen Kinderarbeiter in Gestein, um Silber zu gewinnen; ihre Lebenserwartung liegt unter 40 Jahren.
Faire Alternativen: Weltladen, Contigo, www.faire-edelsteine.de, www.janspille.de, www.tbschmuck.de, www.südsinn.de.

Nüsse
„Apfel, Nuss und Mandelkern, essen fromme Kinder gern“, sagt Theodor Storms Knecht Ruprecht – leider steckt in ihnen viel Ausbeutung und sogar Kinderarbeit. Etwa in der Türkei, dem größten Lieferanten von Haselnüssen: Hier ernten Minderjährige, oft Kinder kurdischer Wanderarbeiter und  syrische Flüchtlinge, an steilen Hängen die Nüsse, wie die GEW seit langem kritisiert. Weltweit leiden Nusssammler an niedrigen Löhnen, schlechten Arbeitsbedingungen und fehlenden Verarbeitungsanlagen.
Faire Alternative: Nüsse aus Fairem Handel mit dem Fairtrade-Siegel im Supermarkt sowie im Weltladen, bei dwp, El Puente, Gepa und Rapunzel.

Urlaub 
Viele Deutsche vereisen übers Fest in die Ferne oder verschenken einen Reisegutschein. Die Schattenseite: Besonders bei Fernreisen bleibt vom Geld der Reisenden nur wenig im Land. Die meisten Jobs im Tourismus sind zudem mies bezahlt, saisonal, voller Überstunden. Auch Minderjährige sind betroffen: Millionen von Kindern putzen Touristen die Schuhe, bedienen sie, führen sie zu Sehenswürdigkeiten, stellen Souvenirs her, waschen Teller - und werden auch sexuell ausgebeutet. Allein auf den Philippinen arbeiten laut UNICEF rund 60.000 Minderjährige als Prostituierte.
Faire Alternativen: Wer seine Reise bei einem Anbieter des forum anders reisen (www.forumandersreisen.de) bucht, kann Kinderarbeit ausschließen. Dafür steht auch das TourCert-Siegel (www.tourcert.org). Konkrete Reise-Tipps: Frank Herrmann: „FAIRreisen“, oekomVerlag, 2016 (ITB-Award).

Elektronik
Hersteller von Akkus für Smartphones und Laptops profitieren von Kinderarbeit, kritisiert nicht nur Amnesty International. Minderjährige, manche gerade einmal sieben Jahre alt, schuften in Kobaltminen im Süden des Kongos ungesichert und für einen Hungerlohn von ein bis zwei Dollar pro Tag. Auch in der Produktion der Geräte können die Hersteller Kinderarbeit nicht ausschließen. Der Apple-Konzern etwa hat in seinem Fortschrittsbericht 2017 einen Fall von Kinderarbeit in China und Schuldknechtschaft eingeräumt.
Faire Alternativen: Das Fairphone (www.fairphone.org), die Maus von NagerIT (www.nager-it.de), das Siegel TCO certified (www.tcodevelopment.de).

Schokolade
In Westafrika sollen immer weniger Kinder im Kakaoanbau arbeiten - das versprechen Konzerne und Regierungen seit vielen Jahren. Doch eine Studie der Tulane University von Ende 2015 belegte: Die Zahl der arbeitenden Kinder ist sogar gestiegen. Laut der Kampagne Aktiv gegen Kinderarbeit sind die meisten gerade 5 bis 14 Jahre alt. Zur Schule geht kaum eines dieser Kinder. Der aktuelle Preisverfall bei Rohkakao verschärft die Situation noch.
Faire Alternativen: Fair gehandelte Schokolade mit dem Fairtrade-Siegel, von Gepa, dwp, el Puente, Ethiquable gibt es u.a. im Supermarkt (auch Discounter), Bioladen, Weltladen. Infos: https://de.makechocolatefair.org

Feuerwerkskörper
133 Millionen Euro verpulverten die Deutschen Silvester 2016; auch 2017 wird wieder kräftig geballert werden. Die Ware stammt meist aus Indien, China und Osteuropa. In Indien sind nach Schätzungen rund 6.000 Kinder in die lebensgefährliche a Produktion beteiligt, viele von ihnen unter 14 Jahren, es kommt immer wieder zu Unfällen.
Die Alternative: Die Aktion „Brot statt Böller“ (www.brot-statt-boeller.de) gibt es seit 1982. Der Erlös kommt Straßenkindern in Simbabwe und Kenia zugute.

Quelle: Martina Hahn, Frank Herrmann; Bilder/Grafiken: Fairtrade Deutschland, Frank Herrmann (4x), Wikipedia, Brot für die Welt